Kapitel 12

Kapitel 12

Unsere Dystopie

Die Rakete war nur fehlgeleitet. Nichts funktioniert mehr richtig. Sie ist zu früh eingeschlagen.
Das heißt wohl wir müssen uns auf einen Bodenangriff vorbereiten.

[…]

Ich bin bereit.

[…]

Ich höre Schritte.
Zuerst gleichmäßig, dann stürmisch.
Ein weiteres Geräusch mischt sich darunter. Ein mir all zu bekanntes Geräusch:
Der Klang einer Sirene.

[…]

Die schwere Metalltür des Bunkers auf dem ich Stellung bezogen habe wird geöffnet.
Muss nachladen.
Der Feind schießt zurück.
Unsere Panzerfahrzeuge rücken an. Sie sind das einzige was wir den Jagdmaschinen entgegenbringen können.
Bin gespannt wem zuerst der Sprit ausgeht.

[…]

Das Spiel zwischen Zielen, Feuern und Nachladen entwickelt sich zu einem treibendem Rhythmus der sich selbst am Leben erhält.

Kurze Feuerpause.
Unser Kampfpanzer rückt vor und verschafft uns eine Pause zum Atmen.
Die nach Öl, Metall und Tod riechende Luft füllt meine Lungen.

Ein letztes Raunen vor dem entscheidendem Angriff.

Für dieses mal.

[…]

Als ich durch die Trümmer streifte, bin ich auf die Leiche eines Soldaten gestoßen.
In der einen Hand hielt er ein langläufiges Gewehr, in der anderen ein Foto seiner Familie.
Auch er hatte ein Aufnahmegerät dabei:

„In dieser Welt, voll mit Krieg und Apathie, gibt es keinen Ort an dem ich auf Frieden hoffen kann. Mit den vielen Kriegen die wir geführt haben, beschwörten wir das Ende der Welt.

[…]

Ich habe sich in Staub auflösende Städte gesehen, Mütter, die den zerschundenen Körper ihrer toten Kinder halten, Landstriche die bis auf den Grund heruntergebrannt waren.

[…]

Die Erde stirbt.
Und mit ihr werden wir ins Vergessen geschickt.
Niemand wird sich an uns erinnern.

[…]

Ich sehe das Licht.
Ein Sturm kommt um meinen Körper mitzunehmen.
Um uns alle mitzunehmen.
Um unsere Seele in eine bessere Welt zu bringen.
Das ist worauf ich hoffe.

[…]

Das ist das Ende der Menschlichkeit.
Das ist das Ende der Ewigkeit.
Das ist unsere Dystopie.“

Vorheriges Kapitel – Nächstes Kapitel